Die Grundschule muss endlich in Berlin als eine vorrangig zu behandelnde Schulform angesehen werden
Marion Berning, Schulleiterin i.R.
Pädagogisches Handeln und Reformbestrebungen waren und bleiben bis heute immer eng miteinander verbunden. Reformen sollen zu verhindern helfen, dass bewährtes pädagogisches Wirken irgendwann nur noch unter größten Schwierigkeiten möglich wird. Reformen sollen rechtzeitig den Weg für vorbeugende päd. Maßnahmen ebnen aber nicht quasi als Zwangsrezept einem heruntergewirtschafteten Schulsystem wieder auf die „Beine“ helfen.
Ein vom rot-roten Senat angekündigter Reformzwang fährt so gesehen die Berliner Schule und somit die Zukunft Berlins an die Wand. Kein Senat hat seine Lehrerinnen und Lehrer so ausgepresst, gebeutelt und deren Fähigkeiten so wenig beachtet wie dieser sozialdemokratisch-sozialistische Senat. Viel (Steuer-) Geld, das für die Primarstufe so wichtig wäre, verpulvert man nun in das neue Reformprogramm der Sekundarschule. Elternschaft und Lehrerkollegien fragen sich, ob es nicht viel sinnvoller wäre, die Grundschule finanziell und personell so auszustatten (in anderen europäischen Ländern eine Selbstverständlichkeit), dass die Leistungsfähigkeit des einzelnen Schülers gestärkt wird und damit ein Schul-und Leistungsversagen erst gar nicht entsteht? Würde sich damit nicht auch das Problem leichter lösen lassen, dass die soziale Herkunft den Bildungsabschluss bestimmt? Aber gerade in dieser Schulform spart der Senat: Wegfall der Vorklassen, Kürzungen im Bereich der Fördermaßnahmen, Aufstockung der Schülerzahlen besonders in den Brennpunktgebieten, Wegfall der sonderpädagogischen Förderklassen im Schulanfangsbereich, Zwangsreformen ohne wissenschaftliche Begleitung z.B. Einschulung mit 5,5 Jahren, Altersmischung in der Schulanfangsphase, u.s.w. .
Auf der Strecke blieb die Eigenverantwortung der einzelnen Schule, das Mitspracherecht der Kollegien und Eltern, die individuelle Förderung des einzelnen Kindes.
Bessere Schüler durch die Schulstrukturreform?
In Berlin wurde das von der Bundesregierung zur Sanierung der Schulgebäude zur Verfügung gestellte Geld (Konjunkturpaket II) hauptsächlich für die schnelle und überhastete Umsetzung der Strukturreform „Einführung der Sekundarschule“ verwandt. Notwendige bauliche Maßnahmen an Grundschulen und Gymnasien wurden dabei außer Acht gelassen. Ankündigung einer Schulstrukturreform ohne dezidierte Vorgaben zu erforderlichen Rahmenbedingungen (Curicula, Personalfragen, Raumorganisation u. a. m.) zeugt m.E. von größter anzunehmender Realitätsferne; sprich : „Pädagogischer G A U“.
In dieser „neuen“ Schule sollen nun die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Hauptschule so gefördert werden, dass sie einen Schulabschluss erwerben können, der sie in die Lage versetzt, später ein selbstbestimmtes Leben zu führen sowie ausbildungsfähig und -willig zu sein.
Wer die Situation der meisten Schülerinnen und Schüler an der Hauptschule kennt, weiß, dass diese Schule „dank“ sozialdemokratischer Schulsenatoren zur Restschule verkam. Heute besuchen in Berlin nur noch ca. 7% der schulpflichtigen Jugendlichen diesen Schultyp. Dass inzwischen an dieser Hauptschule längst aufgebesserte Rahmenbedingungen (kleinere Lerngruppen, breite Förderangebotspalette, Einzelbetreuungen u.ä.) geschaffen wurden, die mit Sicherheit für diese weiterhin existierende Schülerklientel im geplanten „reformierten“ Schulsystem nicht mehr angeboten werden kann(!), scheint den Initiatoren bevorstehender „Reformen“ wohl völlig entgangen zu sein.
Wenn aber dieses Modell erfolgreich für diese Schüler sein soll, müssen nicht nur die Rahmenbedingen stimmen sondern auch die finanziellen und personellen Ressourcen gesichert sein. Doch diesem Senat geht es schon lange nicht mehr um die Verbesserung der Schulsituation. In Wirklichkeit geht es ihm eher um die Verwirklichung eigener, leider zumeist ideologisch überfrachteter Vorstellungen. Probleme sind jetzt schon vorprogrammiert, Schulschließungen beschlossen, und damit wird diese Sekundarschule ein weiteres Einsparprogramm auf Kosten der Kinder und Jugendlichen.
Es wird Zeit, dass dieser Reform des rot-roten Senats endlich von der Basis her Einhalt geboten wird, bevor es zu spät ist. Wir sind das Volk !


